CeBIT 2010: Politiker und die Telekommunikationsbranche waren sich auf dem Breitbandgipfel einig: Nur mit einem Technologiemix - aus Glasfaser, Kabel und Funktechniken - kann Deutschland flächendeckend mit Internet versorgt werden. VDI nachrichten, Hannover, 5. 3. 10, rb
Ein Novum ist in diesen Tagen in Halle 13 der Messehallen zu sehen: In seltener Einigkeit präsentiert sich hier ein Teil der Telekommunikationsindustrie: Da stellen Konkurrenten wie Nokia Siemens Networks, Ericsson und Alcatel-Lucent wenige Meter voneinander entfernt aus, da engagieren sich der Kabelverband Anga ebenso wie die Satellitenanbieter Eutelsat und Astra. Und natürlich sind auch Telekom, Vodafone, Versatel und viele andere mit dabei. Ein Ziel eint alle: Sie wollen Deutschland flächendeckend mit Breitband versorgen - so wie es der Plan der Bundesregierung vorsieht - 1 Mbit/s bis Ende des Jahres, 50 Mbit/s in 75 % aller Haushalte bis 2014.
Im Visier aller, auch der beteiligten Länderinitiativen, der Bundesnetzagentur und der Branchenverbände sind vor allem 1,4 Mio. Haushalte in Deutschland. "Sie haben noch keinen Grundzugang zum Internet", erklärte Gerd Müller, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium. Und er forderte auf dem Breitbandgipfel am Dienstag dieser Woche: "Wir dürfen bei Themen wie Lernen, bei der Gesundheit, beim Tourismus im Netz niemanden ausschließen." Wie alle, weiß auch Müller: "Das müssen wir in den nächsten Monaten stemmen."
In Hindelang im Allgäu, wo Müller herkommt, habe Konrad Zuse den ersten Computer entwickelt. "Die Intelligenz sitzt überall. Wir müssen die gesamte Fläche Deutschlands nutzen, nicht nur in Berlin oder Hannover."
Doch Müller weiß wie sein Kollege Bernd Pfaffenbach aus dem Bundeswirtschaftsministerium, dass noch längst nicht alle Fördermittel von Kommunen abgerufen wurden. Eine Crux: "Alle wollen Glasfaserkabel und keine Funktechniken." Dabei zeigen gerade auf der CeBIT Unternehmen, dass man über Mobilfunk und Satellit längst schnell ins Internet kommt. Vor allem die nächste Mobilfunkgeneration LTE soll zum Hoffnungsträger auf dem Land avancieren.
Dazu wird es Mitte April die größte Frequenzversteigerung in der Geschichte Deutschlands geben, auf der u. a. die Lizenzen für das beliebte Spektrum rund um 800 MHz unter den Hammer kommen. Markus Haas, Managing Director von Telefónica O2: "Deutschland wird damit eine Vorreiterrolle übernehmen." Und er wirbt: "Im ländlichen Raum wird die beste Mobilfunktechnik der Welt zur Verfügung stehen."
Die Technik steht bereit, bekundeten alle. Es müsse ein Technologiemix sein, auch wenn das kommunalen Politikern, die Diskussionen in der Bevölkerung um Akzeptanz und Elektrosmog fürchten, nicht schmeckt.
Doch im Publikum des Breitbandgipfels war auch Grummeln zu hören. Bürgermeister, die ihr Dorf mit Internet versorgen wollen, kämpfen mit überbordender Bürokratie: Anträge für Fördergelder und EU-Vorhaben erschweren schnelle Netzaufbauten. Erst wenn auf der lokalen Ebene der gordische Knoten zerschlagen ist, dürfte sich auch der von der Industrie angemahnte Investitionsstau von zig Mrd. € auflösen. nw/rb